Biodiversitätsstandards in der Lebensmittelbranche

Die Lebensmittelindustrie und der Lebensmittelhandel haben wesentliche Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Doch derzeit spielt der Schutz der Biodiversität kaum eine Rolle bei den Unternehmen.

 „Biodiversitätskriterien in den Standards und Labels der Lebensmittelbranche" ist eine EU-weite Initiative und richtet sich an Standards und Labels für die Lebensmittelbranche sowie Unternehmen mit eigenen Anforderungen an Erzeuger und Lieferanten. Das Ziel ist, den Schutz der Biologischen Vielfalt zu verbessern:
Eine europaweite Brancheninitiative „Biodiversity Performance in the Food Sector" soll die Aktivitäten nach Projektende weiterentwickeln und ausweiten.

Projektablauf

Über 40 Standards, Siegel und Unternehmensanforderungen werden hinsichtlich bestehender Kriterien für den Biodiversitätsschutz analysiert. Die Ergebnisse werden in einem „Baseline Report" zusammen­gefasst und mit Vertretern von Standardorganisationen und Unternehmen aus der Lebensmittelbranche evaluiert. Unter Einbindung der verschiedenen Akteursgruppen werden Handlungsempfehlungen zur Integration von Kriterien und Anforderungen zum Erhalt der Biologischen Vielfalt erarbeitet. Dabei sollen etablierte Systeme und Anforderungen weiter qualifiziert werden. Es wird ausdrücklich kein eigenständiges Biodiversitätslabel entwickelt.

Die Erarbeitung der Empfehlungen wird durch die praktischen Erfahrungen in sechs Pilotprojekten unter­stützt. Interessierte Standardorganisationen und Unternehmen werden bei der Überarbeitung ihrer Kriterien beraten. Im September 2018 wird ein „Easy Guide" zu Biodiversitätskriterien in Standards, Labels und Unternehmensvorgaben auf Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Englisch und Deutsch veröffentlicht.

Mit einem neu entwickelten Biodiversity Performance Tool (BPT) können die aktuelle Situation und die Entwicklung der Potentiale für Biologische Vielfalt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb erfasst werden. Berater, Zertifizierer und Produktmanager können mit dem BPT die Qualität umgesetzter Maßnahmen für die Biologische Vielfalt qualifiziert beurteilen. Zudem wird ein Monitoring der Wirkungen von Lebensmittelstandards auf die Biologische Vielfalt entwickelt. Damit werden die Potentiale für mehr Biologische Vielfalt sowie die tatsächlichen positiven Wirkungen erfasst. Eine Monitoring-Datenbank wird standard- und unternehmensspezifische sowie standardübergreifende Auswertungen ermöglichen.

Hintergrund

Lebensmittelhersteller und -handel mit der Landwirtschaft als wichtigster Zulieferer haben wesentlichen Einfluss auf die Biologische Vielfalt. Derzeit haben der Schutz von Biologischer Vielfalt und Ökosystemleistungen nicht den Stellenwert in der Branche, den sie aufgrund ihrer Bedeutung einnehmen sollen. Die direkten und indirekten Wirkungen der Unternehmen auf die Biologische Vielfalt sind oft komplex. Die Verminderung der negativen Einflüsse für die gesamte Lieferkette vom Acker bis zum Supermarktregal bleibt eine Herausforderung.

Der Global Nature Fund und die Bodensee-Stiftung haben im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz 19 Standards für die Lebensmittelbranche analysiert. Die Ergebnisse zeigen eindeutigen Handlungsbedarf: Kriterien mit Relevanz für Biologische Vielfalt gehen danach selten über die gute fachliche Praxis hinaus, werden nicht konkret formuliert und berücksichtigen nur teilweise die Ursachen für den Verlust der Biologischen Vielfalt. Standardorganisationen und Unternehmen bieten kaum Weiterbildungen zum Handlungsfeld Biologische Vielfalt an; Berater, zertifizierte Betriebe und Auditoren verfügen oft nicht über die notwendigen Kenntnisse, um Maßnahmen qualitativ hochwertig umzusetzen bzw. deren Implementierung zu überprüfen. Keiner der analysierten Standards und Unternehmen realisiert ein Monitoring bezüglich der tatsächlichen Effekte auf die Biologische Vielfalt.

Links

Kontakt

Stefan Hörmann
Kaiserstraße 185
53113 Bonn
Global Nature Fund - Office Bonn
Tel.: +49 - (0) 228 - 184 86 94 – 11
E-Mail:
hoermann@globalnature.org

Gefördert durch EU LIFE Programme 


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