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Lebensmittel

Die Lebensmittelbranche steht vor mehreren großen Herausforderungen. Einerseits benötigt eine wachsende Bevölkerung mehr Lebensmittel, wobei einige Bevölkerungsgruppen beginnen, mehr ressourcenintensive Milch- und Fleischprodukte zu konsumieren. Andererseits ist die globale Landwirtschaft von den Auswirkungen des Klimawandels (z. B. zunehmende Überflutungen und Dürren) und weiteren Umweltproblemen (Wasserknappheit, Erosion, Schädlinge, etc.) betroffen, was erhöhte Produktionsrisiken zur Folge hat.

Das Thema Biodiversität sowie das Konzept der Ökosystemleistungen bieten dabei einen Ansatz, diese Probleme umfassend und integriert zu betrachten und dadurch passende Lösungsansätze für die Herausforderungen zu entwickeln.

Risiken

Die Lieferketten in der Ernährungsbranche sind abhängig von Regulationsleistungen (v. a. Wasserverfügbarkeit, Erosions- und Klimaregulation, Bestäubung, etc.). Falls diese Regulationsleistungen der Ökosysteme versagen, besteht die Gefahr von Störungen in der Lieferkette.

Chancen

  • Erschließung neuer Märkte/Kundengruppen durch eine umweltfreundliche Produktionsweise.
  • Der globale Absatz von ökologisch erzeugten Lebensmitteln und Getränken wächst derzeit um mehr als 5 Mrd. US$ jährlich. 
  • Der globale Markt für ökologisch unbedenkliche Fischprodukte wuchs zwischen 2008 und 2009 um mehr als 50 %.
  • Die Vermeidung bzw. die energetische und stoffliche Weiternutzung von Lebensmittelabfällen kann zu Kosteneinsparungen führen und die Reputation des Unternehmens steigern. Durch eine Halbierung der vermeidbaren Nahrungsmittelverluste können in Deutschland 1,2 Mio. Hektar an landwirtschaftlich genutzter Fläche eingespart werden.
  • Rund 85 % der globalen Agrarfläche ist durch Erosion, Versalzung, Bodenverdichtung, Nähstoffauszehrung oder Verschmutzung bedroht. Jedes Jahr gehen 12 Millionen Hektar Agrarland durch Desertifikation verloren.
  • Die Kosten der Bodenerosion in Europa betragen rund 53 € pro Hektar und Jahr.
  • 70 % der 124 meist genutzten Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. „Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass von etwa 100 Nutzpflanzenarten, die weltweit 90 Prozent der Nahrung bereitstellen, 71 durch Bienen bestäubt werden. Allein in Europa werden 84 Prozent von 264 Nutzpflanzenarten durch Tiere bestäubt, und dank der Bienenbestäubung gibt es 4.000 Gemüsesorten." (UNEP 2010)

Durch das Aussterben von Arten (und Unterarten) verringert sich der Genpool und damit die Möglichkeit zur Erforschung spezifischer genetischer Eigenschaften (z. B. Anpassungsfähigkeit an Trockenheit, Hitze, Wassermangel, etc.) und der Entwicklung entsprechender Sorten (bzw. Produkte). Dies wird auch als der Optionswert der Biodiversität bezeichnet.

  • Während es insgesamt rund 6.000 Pflanzenarten gibt, die jemals landwirtschaftlich genutzt wurden, werden heute überwiegend nur 30 Nutzpflanzenarten für die Lebensmittelproduktion kultiviert.

Die zunehmende Nutzung von social media führt dazu, dass sich negative Nachrichten wie beispielsweise die Zerstörung der letzten Lebensräume der Orang-Utans durch Palmöl-Plantagen sehr schnell verbreiten und viele potentielle Kunden erreichen. Die kritische Berichterstattung in den Medien (siehe Skandale in der Nutztierhaltung) hat zugenommen und die Gefahr des Reputations- und Imageverlustes ist stark gestiegen. Unternehmen der Lebensmittelbranche standen in den letzten Jahren besonders häufig in der öffentlichen Kritik, zum Biodiversitätsverlust beizutragen.

 

 

Links

United Nations General Assembly (January 2017): Report of the Special Rapporteur on the right to food

Secretariat of the Convention on Biological Diversity (SCBD) / Global Platform on Business and Biodiversity: Sector Agricultural Biodiversity

Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): Agroecology Knowledge Hub

The Comission to the European Parliament and the Council: Report on the implementation of the ecological focus area obligation under the green direct payment scheme

Die Initiative "Biodiversität in Standards und Labels der Lebensmittelbranche" fokussiert darauf, die Biologische Vielfalt in der landwirtschaftlichen Produktion zu stärken.

Weitere Informationen finden Sie hier.