Daimler AG: Biodiversitäts-Check am Standort Sindelfingen




Project summary

Seit Anfang 2001 spielt der Erhalt der Biodiversität eine wichtige strategische Rolle in der Unternehmenspolitik am größten Standort der Daimler AG mit über 40.000 Mitarbeitern. Zum damaligen Zeitpunkt suchte man nach einer Lösung um der großen Taubenpopulation auf natürliche Weise Herr zu werden. Aus diesem Grund entstand rasch eine engere und langfristige Zusammenarbeit mit dem NABU Vogelschutzzentrum Mössingen auf dessen Empfehlung hin Wanderfalkenkästen an den Schornsteinen der Unternehmensgebäude angebracht wurden. Als natürlicher Fressfeind sorgt dieser für eine Verringerung der Taubenzahl. Noch heute erfüllen die Nistkästen ihren Zweck. Zudem wurde mit Unterstützung des NABU ein Programm mit 200 Nistkästen am Standort aufgesetzt. Auch die betriebliche Ausbildung wurde einbezogen. Nach Maßgabe vom NABU wurden Wildbienen- und Fledermauskästen sowie ein Mehlschwalbenhaus errichtet. Seit 2002 wird das Brutvogel- und Fledermausmonitoring am Standort Sindelfingen durchgeführt. Die Mitarbeiter sowie die Öffentlichkeit werden durch Informationstafeln und -veranstaltungen, wie z.B. die Daimler-Batnight, eine Fledermausführung, für die Artenvielfalt im Werk begeistert. Auch das Intranet spielt bei der Mitarbeitersensibilisierung eine wichtige Rolle.

Der Biodiversitäts-Check erschien so als logische Folge, um den Umweltschutz im Unternehmensmanagement voranzutreiben und einen Überblick zu gewinnen, welche Abteilungen bzw. welche betrieblichen Abläufe Einfluss auf Ökosysteme und die Artenvielfalt haben. Daimler hat den wirtschaftlichen Wert der Ökosystemdienstleistungen erkannt und will mit Hilfe des Checks die Auswirkungen seines Handelns auf die biologische Vielfalt kennenlernen und in seiner Strategie berücksichtigen. Denn laut der sogenannten TEEB-Studie belaufen sich die gesamtwirtschaftlichen Kosten des Biodiversitätsverlusts allein durch die Vernichtung von Wäldern weltweit auf 4,5 Billionen Dollar pro Jahr.



Motivation, objectives and target groups

Der Check fand auf der mittleren Managementebene im Frühjahr 2011 statt und wurde vom zentralen Umweltschutz begleitet. Es wurden alle Funktionsbereiche – vom Management, Einkauf, Beschaffung, Produktion, Forschung & Entwicklung sowie Logistik bis zu Marketing und Personal unter die Lupe genommen. Direkte und indirekte Interdependenzen wurden in den folgenden Geschäftsbereichen evaluiert: Gelände und Anlagen; (gepachtete) Liegenschaften (z.B. Produktionsflächen); Lieferkette: Rohstoffe, Material, Dienstleistungen; Produkt- und Dienstleistungsgestaltung; Produktions- und Verarbeitungsprozesse; Transport und Logistik; Personal sowie Marketing und Kommunikation. An drei aufeinanderfolgenden Terminen wurde von der Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) und der Unternehmensberatung dokeo zuerst ein Interview sowie eine Diskussion zu Umfang und Grenzen der Untersuchung durchgeführt, ein sog. Pre-Check. Anschließend wurde ein auf das Werk Sindelfingen abgestimmter Fragebogen entwickelt, der den relevanten Abteilungen des Unternehmens zur Verfügung gestellt wurde. In einer zweiten Sitzung haben die Abteilungen anhand von Präsentationen über die Auswirkungen ihrer Aktivitäten und die bisher ergriffenen Maßnahmen für eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen und den Schutz der Natur den beiden Durchführungsorganisationen berichtet. Die Präsentationen wurden von den Partnern der Europäischen Business & Biodiversity Kampagne, GNF und dokeo, gesammelt und offene Fragen zu den unterschiedlichen Bereichen abschließend besprochen. Die Evaluation und Entwicklung eines Status Quo Berichts erfolgten in einem finalen Round Table Gespräch zu den Ergebnissen und Optionen. Dabei wurden konkrete Handlungsvorschläge formuliert, um Risiken und negative Einwirkungen auf die biologische Vielfalt zu reduzieren und Daimlers Engagement für den Biodiversitätsschutz zu stärken. Abschließend wurde der Arbeitskreis der Umweltschutzbeauftragten sowie die Arbeitsgruppe Biodiversität innerhalb des Projekts „Daimler Green Production“ über den Check und dessen Ergebnisse informiert.



Activities

Der Biodiversitäts-Check ermöglichte es Daimler einerseits die Auswirkungen der Unternehmensprozesse auf die Umgebung zu identifizieren und andererseits diese Auswirkungen mithilfe von konkreten Maßnahmen zu reduzieren. Der Check war Teil der Umweltstrategie des Unternehmens, um den Standort auf den Prüfstand zu stellen. „Wir wollten wissen, wo wir richtig unterwegs sind und wo wir noch etwas korrigieren müssen“, erklärt Dr. Michael Schwarz, Daimler AG, Werk Sindelfingen die Beweggründe für eine Durchführung des Checks. Der Check dient dem Unternehmen als Orientierungshilfe und überprüft in Anlehnung an die Umweltmanagementsysteme ISO 14001 oder EMAS, welche Unternehmensbereiche besonders betroffen sind, skizziert Handlungsfelder und zeigt den Unternehmen Wege auf, wie sie ihre Geschäftsmodelle nachhaltig sichern und Wettbewerbsvorteile generieren können.

Der Biodiversitäts-Check beinhaltet auch eine Kostenreduzierung. Unternehmen, die ihre Fläche aus Produktions- oder ähnlichen Gründen vergrößern, sind laut Gesetzgeber zu einem Flächenausgleich gezwungen. „Wenn man eine Maßnahme frühzeitig und freiwillig ergreift, dann kann man sie günstiger realisieren als wenn man bereits in der Situation ist eine Ausgleichsmaßnahme erbringen zu müssen“, erläutert Dr. Michael Schwarz diesen Sachverhalt auch gerne seinen Mitarbeitern. Es liegt damit im generellen Interesse des Unternehmens zuerst in Vorleistung zu gehen und Flächen für den Artenschutz bereit zu stellen, um Ausgleichsmaßnahmen einfacher tätigen zu können, da diese nur von den bereits getätigten Maßnahmen abgezogen werden müssen. Zudem kann die ökologische Wertigkeit bilanziell über einen langen Zeitraum betrachtet werden. Das wiederum kommt den Umweltschützern am Standort zu Gute.

Daimler lobte in der Evaluationsphase den Check als gute Entscheidungsgrundlage für das weitere Vorgehen und als praktische Hilfestellung bei der Identifizierung von aussagekräftigen Indikatoren. „Der Biodiversitäts-Check ermöglicht uns zu erkennen, welche Auswirkungen unsere Prozesse in der Umgebung auslösen und welche Möglichkeiten bestehen, diese Auswirkungen zu reduzieren bzw. positive Elemente zu gestalten”, so Dr. Michael Schwarz. „Außerdem haben wir ganz konkrete Handlungsoptionen für die Weiterentwicklung unserer Biodiversitätsstrategie bekommen, die wir bei unseren Aktivitäten gleich einbeziehen können, wie z.B. die Berücksichtigung der vertikalen Fläche durch eine Fassadenbegrünung mit Efeu, die Anpflanzung von heimischen Arten, eine negative Bewertung von Neobiota und asphaltierten Flächen sowie technische Maßnahmen, wie eine insektenfreundliche Beleuchtung”.
Die wichtigste Handlungsoption besteht in der verstärkten Kommunikation in alle Abteilungsebenen hinein, damit eine erhöhte Sensibilisierung und Wahrnehmung der Mitarbeiter für den Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt stattfindet. Zusätzlich sollen alle Ressourcen zertifiziert werden. Das geschieht bereits in Ansätzen beim Kantineneinkauf, der lokale Produkte aus der Region sowie MSC-zertifizierten Fisch auswählt. Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Einbeziehung der Lieferkette in die Biodiversitätsbetrachtungen. Die Umsetzung gestaltet sich als äußerst schwierig, da das Werk Sindelfingen nicht vom Gesamtkonzept abgekoppelt werden kann und nur einer von vielen Standorten der Daimler AG ist. Für eine Integration des Biodiversitäts-Konzeptes auf alle Standorte ist eine zielgerichtete Kommunikation von Nöten.
Bisher haben das Konzept auch andere Werke, wie der Standort in Gaggenau, übernommen. Das aufgebaute Netzwerk mit Umweltschutzkoordinatoren zeigt bereits seine Wirkung. Nur durch Multiplikatoreffekte mit Hilfe eines internen Umweltschutznetzwerks können die Informationen ins Center und in die spezifischen Abteilungen getragen werden.



Project results

Mit den Ergebnissen aus dem Biodiversitäts-Check kann Daimler nun zielgerichtet Maßnahmen in Angriff nehmen, um negative Auswirkungen auf Artenvielfalt und Ökosysteme zu reduzieren – oder noch besser – gar nicht erst entstehen zu lassen. Dies ist auf lange Sicht nicht nur von Vorteil für Umwelt und Gesellschaft, sondern auch ganz konkret für das Unternehmen. Risikominimierung, Kostenreduktion und die Erhöhung der Mitarbeitermotivation schlagen sich positiv in der Bilanz nieder. Unternehmen, die sich frühzeitig mit ihren Umweltauswirkungen beschäftigen, haben einen Vorsprung im Wettbewerb und nehmen gleichzeitig rechtliche Anforderungen vorweg.



Countries affected

Germany



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