Biodiversität nutzt jedem Unternehmen

Eine gute Resonanz gab es bei der regionalen biodiversitäts Arbeitsgruppe in Ravensburg. Knapp 50 Teilnehmer informierten sich am 7. Juni 2011 in der Ravensburger Kunsthalle darüber, wie Unternehmen die biologische Vielfalt für sich nutzen können. Die Arbeitsgruppe stand unter dem Motto „Klimaschutz, Motivation und Innovation durch Biodiversität". Veranstalter waren die Bodensee-Stiftung, die Wirtschafts- und Innovationsförderungsgesellschaft (WiR) Landkreis Ravensburg und der BUND.

Die Botschaft des Abends war klar: Es gibt zahlreiche gute Gründe, warum sich Unternehmen für die biologische Vielfalt interessieren sollten – gerade hier lohnt sich Engagement!

Walter Sieger, Dezernent für Bauen, Wald und Umwelt des Landkreises Ravensburg, begrüßte die Teilnehmer und wies auf die besondere landschaftliche Struktur des Landkreises hin, der sich durch eine kleinteilige Kulturlandschaft auszeichnet. Biologische Vielfalt – Biodiversität – ist also besonders im Landkreis Ravensburg zu Hause. Der Landkreis trägt deshalb auch eine besondere Verantwortung für diesen Schatz und nimmt diese Verantwortung auf vielfältige Weise wahr, indem er Aktionen wie das Regionalforum und die am 5. Oktober im Hoftheater Baienfurt stattfindende Naturschutzauktion ausdrücklich gut heißt und unterstützt.

Die Naturschutzauktion bietet Unternehmen und Bürgern die Möglichkeit sich für eine konkrete Naturschutzmaßnahme zu engagieren.

Die Zusammenhänge zwischen Klimaschutz und Biodiversität stellte Dr. Markus Röhl von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geisingen anhand der Oberschwäbischen Moore dar. Moore binden CO2 – das ist allgemein bekannt. Was allerdings passiert, wenn Moore ins Ungleichgewicht geraten, führte Dr. Markus Röhl eindringlich aus. Ein Hektar Moor, das nicht mehr intakt ist, emittiert Klimagase, die so schädlich sind wie 17 Tonnen CO2 pro Jahr! Ein Auto, dass 150 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt, ist mehr als zwei Mal um den Erdball gefahren, bis es so viel Klimagase emittiert hat, wie ein Hektar zerstörtes Moor!

Der Schutz und die Wiederherstellung der Moore bietet verantwortungsbewussten Unternehmen eine attraktive Möglichkeit, den eigenen Ausstoß an Klimagasen auszugleichen, da Moore als Inbegriff der Naturoase in der Öffentlichkeit sehr positiv wahrgenommen werden.

Aber in der Natur steckt noch viel mehr, vor allem scheinbar unbegrenzte Innovationskraft. Bernhard Schreilechner von Sachs Engineering, Vorstandmitglied im Netzwerk Bionik Austria, vermittelte auf unterhaltsame Art, was Unternehmen sich alles von der Natur abschauen können.

Besonders faszinierend waren Schreilechners Ausführungen zur „Natur als Managerin", die sich funktions- statt produktorientiert organisiert. Die Natur wächst quantitativ, allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Er verdeutlichte dies am Beispiel der Raupe: Eine Raupe wächst und wächst – bis sie sich an einem bestimmten Punkt zum Schmetterling weiterentwickelt und damit funktional oder qualitativ wächst. Das Wirtschaftssystem des Menschen kennt hingegen im wesentlichen nur quantitatives Wachstum: Es gilt ausschließlich Produktion und Absatz eines Produktes zu steigern. Der Vorteil der Funktionsorientierung liegt in der Widerstandsfähigkeit des Systems. Produktorientierte Ansätze arbeiten hingegen, bis sie im schlimmsten Fall zusammen brechen und durch externe Hilfestellungen gerettet werden muss – zuletzt prominent nachvollziehbar anhand der Abwrackprämien im Automobilbereich. Eine funktionsorientierte Führung hätte schon vor langer Zeit die Weiterentwicklung der Automobilproduzenten zu Mobilitätsanbietern nahe gelegt. Eine Entwicklung, die sich jetzt – nach zahlreichen Krisen und dem damit verbundenen Verlust von Ressourcen – abzeichnet.

Anastas Odermatt von der Schweizer Stiftung Natur und Wirtschaft stellte die zunächst befremdlich anmutende Idee des „Naturparks im Gewerbegebiet" vor. Befremdlich ist die Idee aber nur, bis man weiß, dass die Stiftung Natur und Wirtschaft diese Idee seit 15 Jahren erfolgreich in der gesamten Schweiz umsetzt. Seitdem konnten täglich rund 5.000m2 Fläche das Gütesiegel der Stiftung erhalten. Odermatt ging besonders auf die Vorteile, die mit der naturnahen Gestaltung von Firmenarealen verbunden sind ein. Naturnahe Gestaltung bietet einem Unternehmen nämlich neben einer positiven Außenwirkung auch ein dickes Plus in Sachen Mitarbeitermotivation und Attraktivität der Firma für hochqualifizierte Fachkräfte.

Abschließend gab Patrick Trötschler von der Bodensee-Stiftung einen Überblick über die verschiedenen Angebote für Unternehmen in der Region. So bietet die Bodensee-Stiftung den Unternehmen Biodiversitäts-Checks an, um mehr über die Auswirkungen eines Unternehmens auf die biologische Vielfalt zu erfahren und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Gemeinsam mit der Stiftung Natur und Wirtschaft sowie Partnern in Vorarlberg wird das Thema „Naturnahe Gestaltung von Firmenarealen" im Rahmen eines INTERREG-Projekts rund um den See vorangebracht. Gesucht werden Unternehmer, die ihr Firmengelände zu einer naturnahen Visitenkarte umgestalten wollen.

Die Organisatoren der Arbeitsgruppe danken besonders der Kunsthalle Ravensburg, die der Veranstaltung einen angemessenen Rahmen zur Verfügung stellte.

Die Arbeitsgruppe „Entdecken Sie die biologische Vielfalt in Ihrem Unternehmen" wurde durch die Bodensee-Stiftung initiiert und von der Wirtschafts- und Innovationsförderungs-gesellschaft Landkreis Ravensburg (WiR) und dem BUND-Naturschutzzentrum Ravensburg unterstützt. Gefördert wurde die Veranstaltung von PLENUM Allgäu-Oberschwaben und dem EU-Förderprogramm LIFE+ im Rahmen der „European Business & Biodiversity Campaign".

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