Hintergründe zur Europäischen Business & Biodiversity Kampagne

Mit dem Slogan "Business & Biodiversity" kam frischer Wind in die Debatte um die Bedeutung der Artenvielfalt und Ökosystemdienstleistungen für die Wirtschaft sowie für den Schutz und Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten.

Wir müssen die unumkehrbare Zerstörung der Artenvielfalt und Naturräume, von denen unser Wohlergehen abhängt, beenden. Durch eine "Ökologisierung" bzw. "Begrünung" von Unternehmen und Wirtschaft wird die Natur zum Partner für eine nachhaltige Zukunft. 

Die wichtigsten Herausforderungen, vor denen wir stehen sind:
  • Welchen Beitrag können Unternehmen leisten, den Verlust der Artenvielfalt und Ökosysteme aufzuhalten, wie es durch die EU Mitgliedsstaaten beschlossen wurde?
  • Wie und in welchem Ausmaß ist die Privatwirtschaft von biologischer Vielfalt und einer intakten Umwelt abhängig?
  • Welche ökonomischen Vorteile und Chancen entstehen durch den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt? Welche Risiken beinhaltet der Raubbau an der Natur? 


Biodiversität - das Kapital der Natur

Die Artenvielfalt ist der Reichtum und die Schönheit aller Lebensformen auf unserem Planeten – von Ameisen zu Walen, von Genen zu Ökosystemen. Das Naturkapital der Erde ist geprägt durch seine ästhetische Qualität, die Mannigfaltigkeit der Lebensformen und das Funktionieren seiner Systeme. Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen bilden die Grundlage für das ökonomische und gesellschaftliche Wohlergehen zukünftiger Generationen. Indem die biologische Vielfalt uns mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen wie Nahrungsmittel, Holz, sauberes Wasser und reine Luft versorgt, als Speicher für das schädliche Klimagas Kohlendioxid (CO2) dient und uns u.a. vor Flutschäden und der Wüstenbildung bewahrt, ist es ein integraler Bestandteil nachhaltiger Entwicklung.


Dr. Ahmed Djoghlaf, Exekutivsekretär der Biodiversitätskonvention(CBD)


"Business and biodiversity are not incompatible. They are mutually supportive. Behind the drive for sustainability lies the growing belief that environmental and social projects not only improve corporate reputations but also foster innovation, cut costs and open up new markets… Green business is the business of tomorrow, and tomorrow starts today”

Dr. Ahmed Djoglaf, Executive Secretary, 
Convention on Biological Diversity (CBD)



Wertschätzung der Natur

Das dramatische Ausmaß des weltweiten Artensterbens übertrifft nach Schätzungen des Sekretariats der Konvention für biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity/CBD) die natürliche Rate für das Verschwinden von Arten um das 1000-fache. Der Verlust an Pflanzen und Tieren schwächt aber nicht nur die Fähigkeit der globalen Ökosysteme, uns mit wertvollen Dienstleistungen zu versorgen, sondern wirkt sich auch negativ auf Wirtschaft und Unternehmen aus. Sollte der wirtschaftliche Raubbau an der Natur ungebremst weiter voranschreiten und blieben unternehmerische und staatliche Initiativen zum Schutz der biologischen Vielfalt aus, wäre nach Schätzungen der jüngsten Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (TEEB for Business Report) bis 2050 mit einem jährlichen Verlust von zirka 7% des Weltsozialprodukts oder 2 bis 4,5 Mrd US Dollar zu rechnen. Das entspricht der Größenordnung der wirtschaftlichen Kosten des Klimawandels, wie er im Bericht der Stern Kommission errechnet wurde. 

Etwa 40 Prozent der Weltwirtschaft basieren auf Produkten und Prozessen, deren Grundlage das meist kostenlose, natürliche Kapital der Erde ist. Ökosystemleistungen funktionieren ausschließlich in einer intakten Umwelt. Unternehmen profitieren direkt oder indirekt von der Vielfalt intakter Ökosysteme und Arten sowie dem Reichtum des natürlichen Genpools für die Gewinnung von Rohmaterialien, deren Weiterverarbeitung, Verteilung und Vermarktung. Gleichzeitig stellen das Aussterben von Tieren und Pflanzen und der Verlust ganzer Ökosysteme - beispielsweise durch die Verknappung von Rohmaterialien - erhebliche Risikofaktoren für den wirtschaftlichen Erfolg der allermeisten Unternehmen dar. Außerdem verlieren Unternehmen ihre "Blaupausen" für Produkt- und Dienstleistungsinnovationen, die oft dem Beispiel der Natur folgen und höchst rentabel sind.

Viele Firmen stehen im direkten Zusammenhang mit der Biodiversität:
  • Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit dramatische Auswirkungen auf Ökosysteme und die biologische Vielfalt haben, beispielsweise im Bergbausektor, der Öl- und Gasindustrie.
  • Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit von gesunden und intakten Ökosytemen abhängt, die im Rahmen ihrer Aktivitäten auch auf diese einwirken (Tourismus, Fischerei, Forst- und Papierwirtschaft, Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie).
  • Unternehmen des Finanz- und Versicherungssektors (Risikomanagement, Vermögensversicherung, Kreditvergabe), die strategische ökonomische Entwicklungen ermöglichen.

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