Der Wert der Natur

Ökonomische Herausforderung des Biodiversitätsverlusts
 
Die Artenvielfalt reduziert sich drastisch. Wir verlieren viele Arten in erschreckendem Ausmaß und in einer Geschwindigkeit, die nach Schätzungen 100 bis 1000 mal höher als die natürliche Rate des Artensterbens ist. Mit jeder Art, die ausstirbt, schwindet die Fähigkeit der Ökosysteme, jene wertvollen Leistungen zu erbringen, von denen wir und unser wirtschaftliches Handeln abhängen.

Obwohl das Weltbruttosozialprodukt sich zwischen 1981 and 2005 mehr als verdoppelt hat, wurden bis heute im Schnitt rund 60% der weltweiten Ökosysteme beschädigt oder unwiderruflich zerstört. In Europa sind 38% aller Vogelarten und 45% aller Schmetterlinge vom Aussterben bedroht sowie 37% aller Lebensräume in einem kritischen Zustand. Beim "Business as usual"-Szenario werden die Kosten des Nichthandelns im Bereich der Biodiversität bis 2050 auf einen jährlichen Verlust von etwa 7% des jährlichen Weltsozialprodukts von 2,5 Billionen EURO geschätzt. Das entspricht in etwa dem Umsatz der drei größten Industrien der Weltwirtschaft zusammen (Automobil 1,5 Billionen EURO, IT - 0,7 Billionen EURO und Stahl - 0,3 Billionen EURO) und ist vergleichbar mit den ökonomischen Kosten des Klimawandels, wie sie im Bericht von Nikolas Stern errechnet wurden.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Verlust der Artenvielfalt und die Zerstörung der natürlichen Ressourcen unseres Planeten weltpolitische Bedeutung erlangen und in Form der damit einhergehenden Chancen und Risiken zunehmend die Agenda der Weltwirtschaft mitbestimmen werden.

Der TEEB Bericht für die Wirtschaft

TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) ist eine Berichtsreihe, die den Wert der Natur ermittelt. Durch die Nutzung von Fallbeispielen gibt es Schattenpreise für unterschiedliche Ökosystemdienstleistungen. Die Erfassung des Gesamtwertes der Natur und ihrer Dienstleistungen ist dabei allerdings nicht vorgesehen, denn das ist unmöglich: Ohne die Natur gäbe es kein Leben. Das bedeutet letztendlich, dass der Wert der Natur unendlich ist. Für die einzelnen Akteure gibt es auch unterschiedliche TEEB Berichte, d.h. für Entscheidungsträger, lokale und regionale Entscheidungsträger, Staatsbürger und Firmen.

Der TEEB Bericht für Unternehmen stellt die Risiken durch den Biodiversitätsverlust dar, zeigt aber auch die Chancen von biologischer Vielfalt für die Wirtschaft auf. Er liefert das Handwerkszeug für Unternehmensaktivitäten mithilfe folgender Handlungsschritte:

  1. Identifizierung der Auswirkungen und der Abhängigkeiten Ihres Unternehmens von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen
  2. Evaluierung von Geschäftsrisiken und Chancen im Zusammenhang mit diesen Einflussgrößen und Abhängigkeiten
  3. Entwicklung von Ökosystemdienstleistungen, Aufstellen von SMART Zielen (zielgerichtet, messbar, erreichbar, relevant and zeitgemäß), Messung und Bewertung der Geschäftsperformance und das Reporting von Ergebnissen
  4. Ergreifen von Maßnahmen, um die Risiken von Ökosystemdienstleistungen zu vermeiden, zu minimieren und abzuschwächen, was einen möglichen Naturalausgleich (‘offsets’) beinhaltet
  5. Erkennen von entstehenden Geschäftsmöglichkeiten durch Ökosystemdienstleistungen, wie etwa Kosten-Effizienz, neuen Produkten und Märkten
  6. Integration von Geschäftsstrategien und Realisierung von Ökosystemdiensleistungen mit breiter angelegten Initiativen zu Corporate Social Responsibility
  7. Einbindung von Geschäftskollegen und Akteuren in Regierung, NGO`s und der Zivilbevölkerung zur Verbesserung der Richtlinien und Methodik zu Ökosystemdienstleistungen

Kernaussagen

    • Der TEEB Report bewertet die Natur und liefert Schattenpreise ihres Nutzens
    • Der TEEB für die Wirtschaft stellt das Handwerkszeug für die Aktivitäten von Unternehmen bereit
    • Biodiversität ist die wertvollste Ressource auf diesem Planeten.
    • Der globale Verlust an Biodiversität ist alarmierend.
    • Jede verlorene Art und jedes zerstörte Ökosystem schwächt die Fähigkeit der Natur, uns mit wertvollen Dienstleistungen zu versorgen.
    • Biodiversitätsverlust hat dramatische ökonomische Konsequenzen.
    • Grünes Wirtschaften ist das neue ökonomische Paradigma.
       
       

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Links und Ressourcen

Was sind die Gründe des Biodiversitätverlustes?

Es gibt viele Gründe für den Verlust an biologischer Vielfalt. Direkte Ursachen sind beispielsweise Umweltveränderungen, Klimawandel, Einwanderung invasiver Arten, Raubbau an Natur sowie Umweltverschmutzung. Indirekte Ursachen sind der demografische Wandel, ökonomische, sozio-politische, kulturelle, religiöse sowie wissenschaftlich-technologische Faktoren. Alle Unternehmen haben entweder direkte oder indirekte Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. In Branchen, wie dem Bergbau oder der Forstwirtschaft, haben Firmen meist direkten Einfluss auf die Biodiversität. In Branchen wie der Konsumgüterindustrie sind Unternehmen meist indirekt über die Zulieferkette für den Rückgang der Biodiversität mit verantwortlich.


Kernaussagen
  • Es gibt direkte und indirekte Ursachen für den globalen Artenschwund.
  • Unternehmen können entweder direkt oder indirekt für den Verlust an biologischer Vielfalt verantwortlich sein.

Links und Ressourcen:

 

 

 

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